Karriere in Amerika: die Sicilian Buttercups

Der amerikanische Standard nennt das Jahr 1835 als Beginn der Buttercupzucht. In diesem Jahr landeten wohl die ersten Sizilianerhühner an Bord von Schiffen in Amerika. Ursprünglich als Proviant gedacht, erwiesen sie sich anscheinend als so ausnehmend gute Legerinnen, daß sie von einem vorzeitigen Ende in der Kombüse verschont blieben und lieber beim Landgang in klingende Münze umgewandelt wurden - ganz ähnlich also wie die Livornese, die ebenfalls an Bord italienischer Schiffe nach Amerika gelangten und dort für ihre gute Legeleistung gerühmt wurden.

Verglichen jedoch mit den Livornese, die in Amerika züchterisch verändert wurden, um als neue Rasse namens "Leghorn" einen Siegeszug um die ganze Welt anzutreten, führten die Buttercups immer ein Schattendasein. Sie hielten sich nach der Ersteinführung für ungefähr dreißig Jahre, dann waren sie schon wieder verschwunden. Der heutige Bestand geht zurück auf erneute Importe seit 1892.

    

1912 wurde der American Buttercup Club gegründet; 1918 wurde die Rasse in den amerikanischen Standard of Perfection aufgenommen. 1960 kam noch eine verzwergte Variante hinzu.

1928 wurde der amerikanische Standard geändert: da die Rasse in die mediterrane Klasse eingeteilt war und man der Ansicht war, dieser Punkt sei typisch für diese Gruppe, forderte man nun statt wie bisher rein roter einfarbig weiße Ohrscheiben, was verständlicherweise gar nicht ohne weiteres umzusetzen war. Bis heute kommen in den meisten Zuchten beider Rassen Tiere vor, deren Ohrscheiben beide Farben aufweisen, und die Frage stellt sich, ob man dieses Faktum nicht auch einfach als gegeben akzeptieren kann, da es ja kein Zeichen einer Einkreuzung anderer Rassen darstellt. Als reines Schönheitsmerkmal sollte die Ohrscheibe sicherlich nicht höher bewertet werden als wichtige, rassetypische Eigenschaften! Immerhin belegen alte italienische Quellen, daß sie auch früher schon zweifarbig war.

Die Amerikaner formten die Rasse zu einem deutlich schwereren Huhn von eleganterer Form mit reichlicher Besichelung und Behängen, das durch die dazu notwendigen Einkreuzungen aber auch einige seiner ursprünglichen Charakteristika einbüßte, vor allem die außerordenliche Aktivität der Küken, die extreme Frühreife der Hähne und den sehr frühen Legebeginn bei den Hennen. Die uralte, für die Sizilianer überlieferte Flockenzeichnung auf goldenem Grund, die in Italien ausstarb, blieb aber in der amerikanischen Rasse erhalten. Der amerikanische Standard fordert für Hähne 8,5 lbs (3,8 kg) und für Hennen 5 lbs (2,3 kg).

Heute gilt der Sicilian Buttercup in Amerika als seltene Rasse, allerdings gibt es große Brütereien, die Buttercupküken als Eintagsküken verschicken und somit dürfte es neben den Züchtern im American Buttercup Club etliche Bestände geben, die nicht innerhalb des ABC organisiert sind.

 

Sicilian Buttercups in England

Im Jahre 1912 gelangten Buttercups aus Amerika auch nach England, wo sie für einige Zeit einen beachtlichen Freundeskreis hatten. Verschiedene Farbenschläge wurden erzüchtet, unter anderem auch ein silberner. Um das Jahr 1929 wurden sie auf vielen der führenden englischen Schauen gezeigt. In den 1960er Jahren namen sie außerdem vielfach an Legeleistungsprüfungen teil, denn ihre Eizahlen waren hervorragend. Vor allem als Winterleger wurden sie gerühmt. Erneute Importe aus Italien führten zu neuen Farbenschlägen, die sogar als neue Rasse "Flowerbird" in den Standard aufgenommen wurden, dann aber auch wieder verschwanden.

Heute ist es dort still geworden um die Rasse - sehr still. In Großbritannien existieren nur noch wenige Zuchten von Buttercups. Einige davon habe ich besucht, allesamt vom goldenen Farbenschlag. Silberne konnte ich nicht mehr finden. Die meisten Züchter halten nur sehr wenige Tiere, die Qualität war insgesamt enttäuschend und Inzucht ist in manchen Beständen ein großes Problem. Die meisten verstehen sich als Einzelkämpfer und es gibt kaum Zusammenarbeit unter den Züchtern, kaum Tieraustausch oder gar einen systematisch arbeitenden Zuchtring. Ich halte den Bestand in England für außerordentlich gefährdet.

Die von mir aus Bruteiern aufgezogenen Tiere der besten von mir gefundenen englischen Linie erwiesen sich als recht schön, leider stellte sich jedoch heraus, daß sie durch die starke Inzucht im Herkunftsbestand alle bereits reinerbig für einen erblich bedingten Enzymmangel waren. Die Weiterführung dieser Linie wurde daher nach zwei Jahren von mir schweren Herzens wieder aufgegeben; die Tiere kamen zu reinen Schauzwecken in den Zoo Stralsund. Es waren aber sehr angenehme Tiere, nicht zu lebhaft, aber auch nicht träge, von sehr zutraulichem und freundlichem Wesen, und eine Zierde für Hof und Garten durch die wunderbare Flockenzeichnung der Hennen. Die Hähne, die eher langsam heranwuchsen und erst spät, mit einigen Monaten, anfingen zu krähen, waren untereinander gut verträglich, die Hennen wollten allerdings alle brüten, obwohl sie als Nichtbrüter gelten!

Die Aufstallungspflicht des letzten Winters machte es zunächst unmöglich, mit einer anderen englischen oder amerikanischen Linie neu zu beginnen, Kontakte zu Züchtern bestehen aber bereits und sobald die Umstände es erlauben, können auch diese herrlichen Hühner uns wieder erfreuen.

Küken der Sicilian Buttercups

(ein Buttercupküken englischer Herkunft)

Sicilian Buttercups in Australien

Ab 1925 wurden Buttercups (vermutlich amerikanischer Herkunft) auch in Australien gehalten. Dies belegt das "Feathered Yearbook" aus dem Jahr 1929. Hier durfte der Hahn mit 6lbs noch deutlich leichter sein, auch die Ohrscheiben wurden mit überwiegend rot beschrieben. Ihr ruhiges Wesen wird ausdrücklich erwähnt, ebenso die gute Legeleistung an weißschaligen Eiern und das attraktive Aussehen. Ob die heute dort gehaltenen Tiere auf diese Bestände zurückgehen oder aus neuen Importen stammen, versuchen wir zur Zeit in Erfahrung zu bringen.

 

Texte und Bilder dieser Website sind urheberrechtlich geschützt.
Copyright: N. Mersch, soweit nicht anders angegeben.