Siciliana - Kronenkämmige Hühner aus Sizilien

Siciliana - Die Sizilianer

Leider sind sie auch im Herkunftsland Italien sehr selten, und das, obwohl es sich um eine sehr alte Rasse handelt. Italienische Gemälde aus dem 16. Jhdt sollen schon die gold-schwarzgeflockten kronenkämmigen Hühner zeigen, aus denen die heutigen Rassen hervorgingen.

Kopfstudie eines jungen Sizilianerhahns

Sizilianerhahn, goldhalsig, auf der Europaschau 2006 in Leipzig
Züchter: Marino Morosini, Italien

Wie bei allen wirklich alten Rassen verlieren sich die Ursprünge im Dunkel der Geschichte. Die Wurzeln der Sizilianer müssen zurückreichen bis in die uralte Gruppe der osteuropäischen Hauben- und Sprenkelhühner, noch erkennbar an der ursprünglichen Sprenkelzeichnung und aufgrund des Gens für die Verdoppelung des Kamms, das von den Haubenhühnern stammt (noch 1929 schrieb übrigens ein amerikanischer Richter, einzelne abstehende Federn hinter dem Kamm seien belanglos!).

Kopfstudie eines jungen Sizilianerhahns

Goldhalsige Sizilianerhenne
aus der Zucht von Marino Morosini
auf der Europaschau in Leipzig, 2006

Nordafrikanische Hühner sollen durch Einkreuzung in sizilianische Landhühner an der Entstehung beteiligt gewesen sein. Denkt man an Fayoumi und Dandarawi, so fällt es auch nicht schwer, an solch einen Einfluß zu glauben. Aldrovandi beschrieb im Jahre 1600 unter der Bezeichnung „gallus turcicus“ ein nordafrikanisches Huhn mit Kronenkamm, weiß bzw. silbern mit Sprenkeln oder Flocken und bläulichen Läufen. Wandelt zufolge berichtete Weber 1912 über Hühner vom Aussehen der Sizilianer auf Madagaskar, und mir schrieb eine in Libyen geborene Amerikanerin, daß in ihrer Kindheit solche gesprenkelten, kronenkämmigen Hühner in ihrer Heimat so verbreitet waren, daß sie nur die Buttercups als „richtige“ Hühner empfindet!

Ferrucio Frau-Sanna berichtete 1922 über kleinere, verstreute und anscheinend nicht sehr einheitliche Vorkommen dieser Rasse auf Sizilien. Ihm zufolge wurde der Typ erst durch die züchterische Arbeit von Prof. Tucci vereinheitlicht. Ob in diese Zeit die Erzüchtung des goldhalsigen Farbenschlags fällt oder ob dieser neben dem ursprünglichen, gold-schwarzgeflockten schon länger existierte, muß offen bleiben. Allerdings scheint die geflockte Zeichnung 1922 in Italien schon selten geworden oder verloren gewesen zu sein. So spricht Frau-Sanna von einem braunen Huhn, „sehr dunkelbraun, mit schwarzen Pünktchen, nicht zu muskatartig in der Farbe“ und mit lachsfarbener Brust - von einer goldenen Grundfarbe und deutlicher schwarzer Flockung ist bei ihm keine Rede.

junges Sizilianerhuhn - Siciliana collo oroStolzer Sizilianer - ein Hahn der Siciliana collo oro

Als typische Eigenschaften hob er die frühzeitige Reife, den fehlenden Bruttrieb, die hohe Legeleistung, die Lebhaftigkeit und die große Robustheit der Rasse hervor. Als Durchschnittsgewicht der Hähne gibt er zwei, der Hennen anderthalb Kilo an, was der heutigen Standardforderung entspricht. Als Farbenschläge sind heute in Italien die Goldhalsigen, Weiße und Schwarze anerkannt, wovon die Goldhalsigen mit ihren weidengrünen Läufen die beliebtesten sind. Insgesamt sind die Sizilianer aber auch in Italien sehr selten und es war nicht einfach, überhaupt Züchter ausfindig zu machen.

ein Paar goldhalsige Sizilianer im grünen Auslauf

Sizilianer in Deutschland

Vor etwa zwei Jahren nutzte ich die seltene Gelegenheit, zwanzig Bruteier direkt aus Sizilien zu bekommen, und obwohl es Anfang Januar war, gelang die Aufzucht von siebzehn Küken.

Schon früh zeigten sich deutliche Unterschiede zu den Tieren, die ich aus England gewohnt war! Bereits die Küken sahen anders aus.

Küken der Sicilian ButtercupsKüken der goldhalsigen Sizilianer

Das erste Foto zeigt ein Buttercup-, das zweite ein Sizilianerküken. Nicht nur Farbe und Größe, auch Schnabel, Zeichnung und Ausdruck sind unterschiedlich.

Ich staunte nicht schlecht, als nach kaum zwei Wochen die Kämmchen der Hahnenküken zu wachsen und sich zu röten begannen. Der Bewegungs- und Aktionsdrang der Küken war unvergleichlich. Ich mußte laufend ganze Futtermöhren in den Auslauf legen, viel Platz und kleine Klettergerüste bieten, um Kannibalismus zu vermeiden, der anfangs ein Problem zu werden drohte. Im Alter von vier Wochen starteten die Hähnchen erste Krähversuche und waren auch äußerlich schon deutlich zu unterscheiden (eine interessante Parallele zu den kronenkämmigen Dandarawi). Nach Untersuchungen des Istituto Sperimentale Zootecnico in Palermo weisen die Keimdrüsen von Sizilianerhähnchen im Alter von zwei Monaten bereits die gleiche Größe auf wie die von sechs Monate alten New Hampshire oder Rhodeländern!

Aus diesem Grund lassen sich die Junghähne auch nicht wie bei anderen Rassen von den Junghennen getrennt in einem eigenen Stall aufziehen (etwas, was bei Buttercups problemlos möglich ist). Es kommt zwar überhaupt nicht zu Hahnenkämpfen, aber der Sexualtrieb ist so stark, daß die schwächeren Hähne von den stärkeren unablässig gejagt und getreten werden. Der beste Weg, sie zu aufzuziehen, besteht nach einer frühen Selektion von zur Zucht geeignet scheinenden Hähnchen darin, sie einem Althahn mit Althennen zuzusetzen. Vom Althahn in Schach gehalten, zeigen sie sich absolut verträglich und man kann auf diese Weise lange sehr friedlich zusammenleben.

Kopfstudie eines jungen Sizilianerhahns

Kopfstudie eines jungen Sizilianerhahns
aus der Zucht von Antonino Palazzolo, Palermo, Sizilien

Die ersten von mir erbrüteten Hennen begannen auf den Tag genau mit vier Monaten an zu legen. Die Eier waren enttäuschend klein, knapp über 30 Gramm. Sie nahmen aber stetig, wenn auch langsam, an Größe zu und erreichten schließlich Gewichte von 60 bis sogar 64 Gramm! Ohne zusätzliche Heizung oder Beleuchtung des Stalles legten die Hennen den gesamten Winter hindurch, bis sie im Sommer dann leider auch irgendwann ihrem Bruttrieb nachgaben.... Nur eine Henne war dabei, die gar nicht brüten wollte, von dieser müssen nun natürlich verstärkt Söhne in die Zucht genommen werden.

Die Legeleistung ist also überaus erfreulich, sowohl in Bezug auf Anzahl als auch Größe der Eier. Nach einem anfänglichen kleinen Schock darüber, daß ich hier keineswegs die gleiche Rasse bekommen hatte, wie ich sie aus England kannte, überwog auch bei mir die Begeisterung für dieses freundliche und schöne Huhn. Die Sizilianer sind wachsam, werden mit zunehmendem Alter ruhiger und sind von sich aus recht zutraulich. Obwohl sie fliegen können, sind sie nicht besonders flugfreudig, sobald sie erst einmal aus dem Jugendalter heraus sind. Die großen Kämme der Hähne sind brauchen im Winter verstärkte Aufmerksamkeit, davon abgesehen scheinen sie nicht kälteempfindlicher zu sein als andere Rassen.

Mittlerweile gibt es bereits mehrere Zuchten in Deutschland, und es besteht ein freundschaftlicher Kontakt zu Züchtern und Sonderrichtern in Italien, sodaß ein hoffnungsvoller Beginn gemacht ist.

Kopfstudie eines jungen Sizilianerhahns

Sizilianerhahn von Marino Morosini, Italien
auf der Europaschau Leipzig, 2006

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